Ich bin ein Baumeister.

Als planender Baumeister gibt es kaum etwas Schöneres, als zuzusehen, wie ein Projekt wächst – von der ersten Idee bis zur Schlüsselübergabe.

Patrick Weber, planender Baumeister

Ich bin ein Baumeister.

Patrick Weber, planender Baumeister

Von der ersten Skizze bis zur Übergabe

Alles aus einer Hand.

Baumeister Patrick Weber ist gelernter Zimmermann. Nach seiner Lehre begibt er sich zunächst auf Wanderschaft in die Schweiz und nach Italien. In Südtirol steigt er innerhalb weniger Jahre erst zum Vorarbeiter, dann zum Produktions- und schließlich zum Bauleiter auf. In den Zwischensaisonen besucht er die Bauhandwerkerschule der HTL in Innsbruck und macht die Meisterprüfung.

2001 legt er die Baumeisterprüfung ab und gründet sein eigenes Unternehmen, das heute als Bau- und Planungsfirma mit 15 Mitarbeitern die Projektentwicklung, die Planung und das Baumanagement von Bauprojekten vom Entwurf bis zur Übernahme begleitet. Der verheiratete Vater ist seit Dezember 2018 Bezirksstellenobmann Innsbruck-Land in der Wirtschaftskammer Tirol.

Warum sind Sie Baumeister geworden? Was hat Sie so besonders an diesem Beruf fasziniert?

Baumeister bin ich geworden, weil mir das Bauen Spaß macht. Und weil mich immer schon fasziniert hat, wie aus Skizzen und Entwürfen am Ende des Tages ein Bauwerk entsteht und man in diesem Prozess auch die Freude und die Begeisterung der Kunden sieht. 

Wie war Ihr Werdegang, wie sind Sie Baumeister geworden?

Ursprünglich habe ich Zimmermann gelernt. Nach der Zimmererlehre bin ich einige Jahre nach Italien gegangen und habe dort überwiegend im Hallen- und im Holzbau gearbeitet. Ich habe dann die Möglichkeit bekommen, als Bautechniker zu arbeiten, und Bau- und Projektleitung machen dürfen. In dieser Zeit habe ich meine Liebe zur Planung und zum Baumanagement entdeckt. Parallel dazu habe ich den Zimmermeister gemacht und mich selbständig gemacht. Direkt im Anschluss habe ich dann ein Jahr später den Baumeister abgelegt. Das hat unserem Büro und mir vielfältige Möglichkeiten eröffnet, weil wir als Baumeister viel mehr planen und begleiten können als ein Zimmermeister. Einige Jahre später habe ich außerdem die Prüfung zum Gerichtssachverständigen für Hochbau und Architektur abgelegt. Inzwischen hat mein Büro 17 Mitarbeiter und wir haben uns im Bereich der Gewerbe- und Industriebauten einen sehr guten Namen erarbeitet.

Welche Fähigkeiten, welche Eigenschaften muss ein Baumeister heutzutage mitbringen, besonders vor dem Hintergrund der viel diskutierten Digitalisierung am Bau?

Das Aufgabengebiet eines Baumeisters ist natürlich sehr vielfältig, aber eine Grundvoraussetzung für mich ist der richtige Umgang mit Menschen. Man hat sehr viel Kontakt: mit Kunden, mit Projektbeteiligten, mit Arbeitern auf der Baustelle. Ein Umgang auf Augenhöhe ist sehr wichtig und für mich die Basis dafürdass die Arbeit Spaß macht. Der Beruf des Baumeisters ist sehr herausfordernd. Gerade heutzutage, wo sich sehr vieles –  auch am Bau –  ändert, muss man immer up to date sein. Man muss sich immer damit auseinandersetzen: Was gibt es für neue Möglichkeiten, was gibt es für neue Programme, was gibt es für neue Materialien? Da braucht man eine Begeisterung für seinen Beruf, sonst kann das nicht funktionieren. 

Als Laie hat man oft den Eindruck, in der Baubranche tue sich nicht viel: Es wird immer noch so gebaut wie vor 50 Jahren. Bei näherer Betrachtung stellt man aber schnell fest, dass sich gerade in den letzten Jahren eine wahnsinnige Dynamik entwickelt hat: neue Materialien, neue Technologien, neue Prozesse. Stichwort BIM, EnergiePlus, Smart Buildings, Internet of Things, CAFM usw. Wie halten Sie mit diesen Entwicklungen Schritt?

Wir sind immer am Puls der Zeit versuchen natürlich, alle Programme und alle digitalen Möglichkeiten, die es auf diesem Sektor gibt, bestmöglich auszunutzen. Was vielleicht den Eindruck vermittelt, am Bau bewege sich nichtsist der Umstand, dass man in unserem Bereich auf Materialien und Baustoffe achten muss. Diese müssen ja über Jahrzehnte oder zum Teil sogar über Jahrhunderte halten. Da würde ich vorsichtig sein, neue Materialien sofort einzusetzen.  

Aber natürlich, heute und auch in nächster Zukunft wird man einiges an Veränderungen am Bau feststellen – Stichwort Mitarbeiter und Fachkräftemangel am Bau. Darauf muss reagiert werden. Das wird über kurz oder lang dazu führen, dass einiges an Arbeit von der Baustelle in die Vorbereitung fließt. Das bedeutet wiederum für uns, dass man in der Vorbereitung entsprechend gerüstet sein muss und vielleicht Teile dieser Arbeit, die jetzt auf der Baustelle erledigt wird, im Büro machen muss. Das bedingt, dass man sich mit neuen digitalen Arbeitsmethoden auseinandersetzen muss. 

Mich begeistern die Möglichkeiten, die wir heute haben. Ich erinnere mich noch, wie ich als Zimmermann oder als Bautechniker gearbeitet habe, wo man noch 2D am Papier gezeichnet und dann radiert hat und dem Bauherrn zweidimensionale Pläne präsentiert hat. Wie schwierig das für die Bauherrn gewesen sein muss, diese Pläne überhaupt zu verstehen! Heute haben wir Möglichkeiten, die begeistern mich und auch unsere Kunden: Wir bauen in der Endphase das Gebäude bereits digital. Der Kunde kann sich das ansehen, in Echtzeit. Er kann überprüfen: Stimmt die Funktion dieses Gebäudes? Wie sieht das Gebäude aus? Gefällt mir die Gestaltung dieses Gebäudes? Und: Wir können ihm recht präzise vorhersagen, was das Gebäude kosten wird. 

Sie betreuen viele Ihrer Kunden von der ersten Idee bis zur Übernahme des Gebäudes, Sie entwickeln Projekte, machen die örtliche Bauaufsicht, sind Sachverständiger und Gutachter. Warum sind Sie als Baumeister dafür besonders geeignet?

Wir in unserem Büro binden unsere Kunden von Anfang an in den Entwurfsprozess sehr stark mit ein. Wir versuchen, das Projekt immer aus Sicht des Kunden zu beurteilen, und das gelingt nur, indem man Zeit mit dem Kunden verbringt und auch gemeinsam Entwürfe entwickelt. Und wir trennen nie Funktion, Gestaltung und Kosten. Diese drei Faktoren lassen sich nicht trennen. Um ein optimales Gebäude zu entwickeln, muss man das in der Anfangsphase und gerade in der Endphase gemeinsam mit den Kunden machen. Um dieses Bild abdecken zu können, braucht es sehr viel Einsatz, sehr viel Kompetenz. Wir versuchen auch hier, unsere Mitarbeiter bestmöglich auszustatten, ihnen ein sehr gutes Umfeld zu bieten. Am Ende des Tages braucht es aber sehr viel Erfahrung, um dieses komplexe Thema abbilden zu können. Und dafür ist die Ausbildung des Baumeisters sicher für den Kunden die geeignetste. 

Hat Ihr Beruf dann eigentlich noch was mit Handwerk zu tun oder sind Sie nur noch „Manager“?

Der Baumeister als Beruf hat mit Handwerk tatsächlich sehr wenig zu tun. Ich bin aber überzeugt, dass es sehr sinnvoll für einen Baumeister ist, wenn er im Zuge seiner Ausbildung handwerkliche Tätigkeiten ausgeführt hat. Das bringt einiges an Verständnis, an Vorstellungsvermögen mit. Aber die Arbeit des Baumeisters an sich hat mehr mit Planung, Projektleitung und Management-Tätigkeiten zu tun. 

Sie sind ein sogenannter „planender Baumeister“. Was muss man sich darunter vorstellen?

Ein planender Baumeister beschäftigt sich mit Architektur und Baumanagement im Unterschied zur ausführenden Baufirma. Wir begleiten unsere Kunden durch den Bauprozess hindurch, aber nur bezüglich Planung, Ausschreibung und Baumanagement. Die Ausführung übernimmt die klassische Baufirma. 

Wie sehen Sie das Zusammenspiel von Architekt und Baumeister? Wodurch unterscheiden die beiden sich in ihren Kernkompetenzen?

Die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Baumeistern funktioniert in sehr vielen Teilen sehr gut. Es kommt oft vor, dass ein Architekt die Planung übernimmt bis zur Einreichplanung oder auch bis zur Ausführungsplanung und dann ein planender Baumeister die Ausführung, Planung, Ausschreibung oder die Bauaufsicht übernimmt. Die Unterschiede zwischen einem Architekten und einem planenden Baumeister liegen vor allem in der Ausbildung: Während der Architekt eine akademische Ausbildung hat, die meist schwerpunktmäßig eher in Richtung Gestaltung geht, kommt der Baumeister eher aus der handwerklichen, technischen, kaufmännischen Seite. Iseiner Ausbildung nimmt die Gestaltung einen weniger großen Part ein. Dafür braucht er viel mehr Praxiserfahrung. Für mich ist die die Ausbildung des Baumeisters für eine Bauabwicklung ideal. Aufgrund seiner Befugnisse darf er planen, Statik berechnen, er darf auch ausführen. So gesehen hat der Baumeister mehr Befugnisse als ein Architekt oder ein Bauingenieur.

Wenn wir es nicht so haben wollen wie in anderen Ländern, dass man sehr viele Sachverständige braucht, um einen Bau abzuwickeln, was entsprechend teurer und komplizierter wird, werden wir in Zukunft noch mehr auf den Baumeister angewiesen sein.

Patrick Weber, Baumeister

Warum braucht es auch in Zukunft Baumeister?

Ich denke, in Zukunft wird das Berufsbild des Baumeisters noch wichtiger als es jetzt schon ist. Durch den Mangel an Facharbeitskräften oder generell Arbeitskräften am Bau wird es immer wichtiger, einen Generalisten auf der Baustelle zu haben, der alle Fäden zieht und sich in jedem Bereich entsprechend auskennt. Wenn wir es nicht so haben wollen wie in verschiedenen anderen Ländern, dass man sehr viele Sachverständige braucht, um einen Bau abzuwickeln, was das ganze Baugeschäft natürlich entsprechend teurer und komplizierter macht, werden wir in Zukunft noch mehr auf den Baumeister angewiesen sein. 

Die Befugnisse eines Baumeisters sind in der Gewerbeordnung klar geregelt. Diese wird mancherorts als zu starr kritisiert. Halten Sie es für möglich, dass das Baumeistergewerbe irgendwann zumindest teilweise liberalisiert wird?

Ich bin überzeugt, dass der Baumeister in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird, weil es unausweichlich ist, dass man einen Generalisten auf der Baustelle braucht, der alle Fäden ziehen kann. Im Zuge einer Gewerbeordnungsnovelle daran zu denken, gewisse Baumeistertätigkeiten zu liberalisieren, wäre sehr gefährlich. Immerhin werden Gebäude errichtet, die über Jahrhunderte stehen sollten und in denen sich sehr viele Menschen aufhalten. Da braucht es entsprechende Befugnisse und genug Erfahrung aus der Praxis. Diese Arbeiten jeden X-Beliebigen ausführen zu lassen – den Politiker möchte ich sehen, der das verantworten will. Und immerhin bauen die Baumeister schon seit Jahrtausenden recht erfolgreich solche Gebäude.

Warum sollten sich junge Leute für eine Lehre am Bau entscheiden und welche Tipps würden Sie ihnen mit auf den Weg geben?

Die Lehre am Bau ist sehr interessant, weil man jeden Tag sieht, was man mit eigenen Händen errichten hat können. Man wird in einigen Jahren später noch mit Stolz sagen können: An diesem Gebäude habe ich mitgearbeitet. Das ist heute nicht mehr selbstverständlich. Es gibt sehr gute Verdienstmöglichkeiten und es gibt noch Handschlagqualität am Bau. Und die Aufstiegsmöglichkeiten im Bausektor sind für einen Lehrlingsabsolventen unglaublich.  

Jungen Leuten würde ich empfehlen, sich einen Beruf zu suchen, der ihnen Spaß macht. Das ist die Basis für Erfolg, aber auch für Zufriedenheit. Und das bringt einen soweit, dass man sich weiterentwickelt. Damit stellt sich der Erfolg von selbst ein. Dazu fällt mir ein Zitat von Steve Jobs ein: Der beste Weg, Großartiges zu leisten, ist zu lieben, was man tut.

Bmst. Patrick Weber

Geschäftsleitung BAUPULS

Werdegang

1988 – 1991

Zimmererlehre in Oberperfuss/Tirol

1991 - 1999

Auslandsjahre in Italien als Zimmerer, Produktionsleiter, Projektleiter

1994 – 1997

Bauhandwerkerschule HTL Hochbau, Innsbruck

1998

Zimmermeisterkurs und Prüfung

1999 – 2000

Auslandsjahr in der Schweiz als Abteilungsleiter Hallenbau/Holzbau

2000

Selbständiger Zimmermeister: Planung und Bauleitung von Holzbauten in Tirol und Vorarlberg

2001

Baumeisterprüfung

2001

Anmeldung des Gewerbes „Baumeister"

2010

Gründung Bm. Patrick Weber GmbH & Co KG Planung + Baumanagement

2011

Eintragung in die Liste der allgemein beeideten und gerichtlich zertifizierten Sachverständigen für Hochbau und Architektur

2018

Umbenennung in BAUPULS Planung Baumanagement Sachverständige