Zanklhof

 

Zanklhof / Graz

ALT UND NEU IM EINKLANG

 

Städte leben davon, dass sie sich seit Jahrhunderten permanent verändern. Es wird umgebaut und dazugebaut. Gerade das macht den Charme der Urbanität aus. Auch in Graz haben zahlreiche Bezirke ihr Gesicht in den vergangenen Jahrzehnten vollkommen gewandelt. Ein Beispiel für eine spannende Verbindung von Alt und Neu ist das Projekt Zanklhof in Gösting. Die langjährige Industriebrache wurde in zwei Etappen umgewidmet und mit großem Engagement in einen ökologisch und soziologisch anspruchsvollen Wohnkomplex mit historischem Flair umgestaltet.


Alt und Neu stimmig vereint
Die ehemalige Fabrikanlage der Grazer Farbenwerke A. Zankl & Söhne war 1892 am Mühlkanal errichtet worden, um die Region industriell mit Farben, Lacken und Kitten zu versorgen. Bereits 1955 sperrte sie zu, wurde nur mehr sporadisch genutzt. Mitten in der Stadt gelegen war die Brache kein besonders attraktiver Ort. Im Jahr 2000 trafen neue Eigentümer die Entscheidung, das Firmengelände zu revitalisieren und in einen Wohnpark mit Grünanlagen zu verwandeln.
„Schon der erste Abschnitt Zanklhof I, der 2004 fertig gestellt wurde, sorgte aufgrund seiner spannenden Revitalisierungskonzepte und architektonischen Akzente für Aufsehen und fand allgemeine Anerkennung“, fasst der Grazer Baumeister Rudolf Leitner, Initiator und Generalplaner, sein ambitioniertes Vorhaben zusammen. Lohn der eineinhalb Jahre dauernden Umbauarbeiten war unter anderem die Auszeichnung als „Steirisches Wahrzeichen“. Für Leitner lag es nahe, den erfolgreichen Weg alsbald fortzusetzen und auch den zweiten Teil der zur Verfügung stehenden Flächen und Gebäude mit ebenso großer Liebe zum Detail umzugestalten. Der zweite Bauabschnitt Zankhof II wurde in genau so kurzer Bauzeit 2009 fertig gestellt.

 

Nutzungsmix und Grünraum
Der ehrwürdige Charakter der alten Industrieanlage ist auch nach dem Umbau überall sichtbar und spürbar. Die großzügigen Höfe und stilvollen Backsteinfassaden sind Zeitzeugen, die unverändert erhalten blieben. Die Planer legten viel Wert auf den maßgeschneiderten Ein- und Aufbau der neuen Wohnungen. Sie wurden nie höher als drei Geschosse gebaut und ergänzen stimmig die alte entkernte Substanz. Als weiteres Planungsziel konnte erfolgreich umgesetzt werden, den Bewohnern neben den eigenen vier Wänden vielfältige angenehme Freiräume und Begegnungsorte zu bieten – von großzügigen Balkonen bis zu Freiflächen, Spielplätze und Grünanlagen. Die oft gepriesene Nutzungsmischung kam wirklich zum Einsatz. Am Wohnhof wurden Büros und als Treffpunkt ein Cafe errichtet. Ferner dient die mittig gelegene monumentale alte Heizzentrale als Versammlungsort für gemeinsame Feste und Märkte.
Unterstrichen wird die hohe Qualität des urbanen Lebensraumes durch weitestgehende Barriere- und Verkehrsfreiheit. Das kommt den Bewohnern der insgesamt 145 Wohnungen entgegen, bei denen es sich großteils um Familien mit Kleinkindern handelt. Mit den neuen Bauabschnitten von Zanklhof II wurden weitere 90 geförderte Mietwohnungen in Größen
zwischen 42 und 90 m² Wohnfläche geschaffen. Das Angebot reicht dabei von der Singlewohnung über Maisonette- und Penthousewohnungen bis hin zu klassischen Familienwohnungen.

 

Der Nachhaltigkeit verpflichtet
Mit Hilfe von innovativen Konzepten bei Bauweise, Dämmung und Haustechnik ist es gelungen, die Wohnbauten als Niedrigenergiehäuser und zwei Gebäude mit 26 Wohnungen sogar in Passivhausbauweise auszuführen. Das bedeutet eine nachhaltige Reduktion der Energieverbrauchszahlen von insgesamt über 80 Prozent gegenüber dem Zustand vor der Sanierung.
Zur Erhaltung der historischen Fassaden war die Anwendung von Innendämmungen unumgänglich. Die Neu- und Zubauten sind in Holz- und massiver Ziegelbauweise errichtet und außen mit Vollwärmeschutz versehen.
Die Anlage ist an die Fernwärme angeschlossen und wird bei der Warmwasseraufbereitung und Heizung von einer Solaranlage unterstützt, während die Passivhäuser mit Hilfe von Tiefenerdwärme und Wärmepumpen autark versorgt werden. Die ausgeklügelte Haustechnik der Passivhäuser erprobt ein neuartiges semizentrales Konzept. Die Lüftung erfolgt zentral in Kombination mit dezentralen Kleinstgeräten, die in den einzelnen Wohnungen zur individuellen Regelung bereit stehen. Die erforderliche Restwärme wird dabei nicht über Zuluft, sondern über kleinflächige Fußbodenheizkreise eingebracht, die im Sommer auch kühlen. Das steigert die Behaglichkeit in den Wohnungen deutlich. Das bestehende Sichtziegelmauerwerk wurde ergänzt, gereinigt, restauriert und erstrahlt im alten Glanz. Die Bauwerkskosten von 1.660 ¤ pro Quadratmeter Nettonutzfläche sind dem Aufwand entsprechend angemessen. Der Klima- und Energiefonds unterstützte das engagierte Projekt im Rahmen des Programms „Neue Energien 2020“ ebenso wie das Land Steiermark, das Förderungen aus den Mitteln des Revitalisierungsfonds, der „Umfassenden Sanierung“ und der „Ökologischen Wohnbauförderung“ zur Verfügung stellte. Die Wiederbelebung eines prägenden Stadtteils ist bravourös gelungen, leistbares Wohnen durch niedrige Betriebskosten gesichert, und die Mieter sind hoch zufrieden.
 

 
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